Auch moderne Warenwirtschaftssysteme
(Materialwirtschaft, ERP) stellen 'nur' eine notwendige Infrastruktur bereit,
überlassen aber die ausgesprochen komplexe Logistik- und Bestandsoptimierung
den damit überforderten Anwendern oder es werden unzureichende bzw.
praxisfremde Verfahren angeboten. Niemand wird ernsthaft erwarten, dass z.B.
die Frage nach der wirtschaftlichen Bestell- bzw. Auftragsmenge, der
benötigten Sicherheitsmenge oder des voraussichtlichen Bedarfes von mehreren
Personen in etwa gleich beantwortet wird. Besonders prekär wird es, wenn die
Antworten aus unterschiedlichen Bereichen (Produktion, Einkauf, Vertrieb,
Disposition, Controlling, etc.) mit ihren speziellen Interessen kommen.
Um die beschränkte Planungsfähigkeit der Standardpakete zu verbessern, werden
auch Zusatzsysteme angeboten, die nicht selten von einer Bestandsoptimierung
(Lagerbestandsoptimierung) sprechen. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich die
so genannte Bestandsoptimierung als argumentierte Folge einer genaueren
Bedarfsplanung. Die Optimierung der weiteren bestandstreibenden Größen wie
Sicherheitsmenge (Sicherheitsbestand) und Losmenge (Beschaffungsmenge,
Fertigungsmenge) fehlt jedoch. Geschickt wird argumentiert, dass die
Sicherheitsmengen über die vorgegebenen Servicegrade berechnet werden. Aber
darum geht es ja gerade, die Servicegrade (Liederbereitschaft) unter
wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu ermitteln, sprich zu optimieren.